Gestern war ich bei der Post. Ein Paket abholen, denn ich hatte einen kleinen gelben Zettel bekommen auf dem stand, dass es nicht zugestellt werden konnte und in der Filiale 7 Werktage auf mich wartet.
Also ging ich auf dem Heimweg dorthin, voller Hoffnung, ein Paket nach Hause schleppen zu dürfen.
Ich ging vom Regen durch die Türen der Postfiliale und kaum war ich drin, stand ich schon in der Schlange zum Schalter. Schritt für Schritt arbeiteten sich vor und hinter mir die Leute langsam vorwärts, um schon bald die Tresen mit den Beamten überhaupt sehen zu können.
Als es dann endlich so weit war, standen noch ungefähr sechs geduldige Leute vor mir...und da standen sie dann eine Weile bis es wieder einer weniger wurde und wieder einer und so weiter, bis ich meinen Zettel zückend an der Spitze stand.
„Nächster, bitte!“ -Ich hatte es geschafft! Gleich schnapp ich mir mein Paket und kann endlich nach Hause. Ich zeige meinen gelben Zettel und meinen Personalausweis und der Beamte verschwindet, um mein Paket zu suchen. Ich stützte mich erwartungsvoll auf den Tresen.
Nach einer ganzen Weile fragte ich mich, ob ich eine Vermisstenanzeige aufgeben sollte. Vielleicht hat ihn ein sehr großes und vermutlich hungriges Paket gefressen? Bei Paketen kann man nie wissen...
Zu meiner Verwunderung kam der Beamte nach einer weiteren ganzen Weile wieder, er musste wohl mit kämpferischem Mut entkommen sein.
„Wie war der Name gleich? Achso...hier ist das so undeutlich, ich hab die ganze Zeit nach Gepard gesucht. Kleinen Moment nochmal.“
Das war es also...er hatte nach einem Geparden gesucht, anstatt sich um mein Paket zu kümmern. Ganz schön übermütig der Kerl.
Nach einer weiteren, ja, einer weiteren ganzen Weile zeigte er sich wieder. Jedoch ohne Paket – hatte der Gepard es gefressen? Und wohlmöglich das sehr große und hungrige Paket den Geparden?
„Habick nich gefunden.“
„Aber es soll doch angeblich hier sein?!“
„Sie ham sicher von amazon so ne Sendungsnummer zugeschickt bekommen, die könnense auf dhl.de mal eingeben und gucken, in welcher Filiale Ihr Paket ist.“
Ach, verdammt.
„Okay, dankeschön.“
So ein Scheiß! Ich will mein Paket.
„Jo, tschüss.“
Zuhause fluchend angekommen, seh ich sofort im Netz nach, wo mein beschissenes Paket ist.
Und mein Internet gibt mir eindeutig Recht in der Sache...es ist in der besagten ebenfalls beschissenen Postfiliale.
Am nächsten Tag mach ich mich also erneut auf den Weg, steh ein bisschen an. Dann bemerke ich, dass der Kollege von gestern garnicht anwesend ist. Bestimmt auf einer gefährlichen Mission auf der Suche nach dem Geparden. Hoffentlich schreibt er ein Buch, wenn ihn nicht bis dahin ein, du weißt schon wie groß und hungriges, Paket gefressen hat.
Ohne zu erwähnen, dass ich gestern schonmal da war, gebe ich einem neuen Beamten den kleinen gelben Zettel, sowie meinen Personalausweis und er macht sich auf die Suche.
Jetzt wird’s spannend. Ist es wirklich nicht da, oder war der Herr gestern einfach zu beschäftigt mit seinem abenteuerlichen Hobby?
Ein paar Minuten warte ich, dann sagt mir eine Beamte, dass ihr Kollege noch am Suchen ist.
„Okay“, sag ich und kann mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
Doch der Mann erscheint tatsächlich mit meinem Paket! Ist es zu fassen? Mein Paket? Hier? Unglaublich. Ich muss nur noch eine Unterschrift abgeben und schon darf ich das lang ersehnte Paket unter den Arm klemmen und mich auf den Weg machen.
Vielleicht hätte ich einfach erst heute hingehen sollen...dann hätte ich 1. mein Paket viel schneller gehabt, mich 2. nicht über die Post aufgeregt und 3. wäre ich nicht in eine mysteriöse Raubkatzenjagd involviert worden sein.



